Balkon-PV: Stecker-Solargeräte als Alternative für das Mehrfamilienhaus

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Solarstrom als Mieter in einem Mehrfamilienhaus? Geht nicht? Geht doch! Eine dieser Möglichkeiten stellen die Solargeräte für die Steckdose dar. Diese sind unter verschiedenen Begriffen bekannt: Stecker-Solarmodule, Balkon-PV, Guerilla-PV, Plug & Play-PV oder einfach Stecker Solar.* Aber egal unter welchem dieser Namen die Stecker-Solargeräte erworben werden, sie sorgen dafür, dass eigener Solarstrom vom Balkon in die Steckdose fließt. Und wenn es keinen Balkon gibt, dann eben von der Terrasse, Fassade oder auch Überdachung.

Stecker-Solargeräte am Balkon für PV
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Technisch handelt es sich dabei immer um ein oder mehrere Module, die eine maximale Leistung von 600 Watt (je Modul 150 – 320 Watt) aufweisen. Die Module sind gemeinsam über einen Wechselrichter angeschlossen, sodass sie über die Steckverbindung an eine haushaltsübliche Steckdose angeschlossen werden können. Natürlich sind auch Stecker-Solargeräte mit einer höheren Leistung als 600 Watt auf dem Markt erhältlich. Dennoch birgt die Leistungsgrenze von unter 600 Watt gewisse Vorteile.

So kann man zum einen ein vereinfachtes Anmeldeverfahren beim Netzbetreiber in Anspruch nehmen, wenn ein Zweirichtungszähler sowie eine Energiesteckdose vorhanden sind. Im Klartext bedeutet es, dass der Verbraucher nun die Möglichkeit hat, sein Solargerät eigenständig anzumelden. Vorher konnte die Anmeldung beim Netzbetreiber nur durch eine Elektrofachkraft durchgeführt werden. Zum anderen liegen nach einem Gutachten der deutschen Gesellschaft für Solarenergie e.V. (DGS) keine Sicherheitsrisiken bei einer Einspeisung bis zu dieser genannten Leistung vor.

Das gilt es bei einem Stecker-Solargerät zu beachten!

Entscheiden Sie sich als Verbraucher*in für Balkon-PV, müssen Sie auch gesetzliche Regelungen beachten:

  • Bautechnische Vorgaben für Glasscheiben von Solarmodulen an einer Fassade, Balkonbrüstung oder an einer Überdachung (Überkopfverglasung).
  • Beachtung von Gestaltungsvorgaben, wenn Solarmodule an eine Fassade angebracht werden.
  • Zustimmung des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft sind erforderlich.
  • Solarmodule müssen sturmsicher befestigt werden.
  • Fachkundige Prüfung des Endstromkreises bei Anschluss eines Stecker-Solargeräts. Eine spezielle Energiesteckdose wird in der Regel vorausgesetzt.
  • Anmeldung beim Netzbetreiber und auch bei der Bundesnetzagentur ins Marktstammdatenregister. Es existiert ein vereinfachtes Anmeldeverfahren für diese Balkon-PV-Anlagen unter einer Leistung von 600 Watt. Dadurch wird eine Anmeldung beim Netzbetreiber ohne Elektriker ermöglicht (VDE-Anwendungsregel 4105).
  • Ein Austausch des analogen Stromzählers (Ferraris-Zähler) gegen eine zukünftige moderne Messeinrichtung oder einen Smart Meter muss erfolgen. Es soll dadurch das Rückwärtsdrehen des Stromzählers bei einer Einspeisung von überschüssigen Solarstrom verhindert werden. In der Vergangenheit wurde der analoge Stromzähler durch einen analogen Zähler mit einer Rücklaufsperre oder einem Zweirichtungszähler getauscht.

Bezüglich des letzten Punktes wurden in der Vergangenheit Verbraucherprobleme gemeldet, die mit dem Austausch eines Stromzählers aufgetaucht sind. Welche Problematik genau dahintersteckt, erklären wir in dem Artikel „Zählerkosten für Photovoltaikanlagen und Stecker-Solargeräte“.

Kosten für eigene Balkon-PV-Anlage sind eine lohnende Investition

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Stecker-Solargeräte eine lohnende Investition darstellen. Nahezu freie Fahrt für den eigenen PV-Strom vom Balkon oder der Terrasse also. Die Kosten für ein Solargerät fallen aber natürlich unterschiedlich aus. Dazu gibt es eine Übersicht des Portals pv magazine. Zudem kommen noch Kosten für die Energiesteckdose, aber auch durch die Montage durch einen Elektriker hinzu.

Auch können zusätzliche Kosten für die Befestigung des Gerätes anfallen. So könnte sich ein Solargerät in der Größenordnung von 500 Watt mit einem Gesamtpreis von 650 Euro nach acht bis zehn Jahren als lohnend herausstellen. Dennoch kann so ein Ergebnis nicht pauschalisiert werden, da dieses unter anderem vom Grundverbrauch und Nutzerverhalten sowie dem Arbeitspreis, der bei dem aktuellen Energieversorger zu zahlen ist, unterschiedlich ausfällt.

 

*Anmerkung

Die Bezeichnungen für Stecker-Solargeräte sind nicht einheitlich und reichen von Plug-In-PV-Anlagen und Balkon-PV-Anlagen über Plug & Play Solaranlagen, Guerilla-PV, tragbare PV-Anlage oder steckerfertige PV-Anlagen und Photovoltaik-Balkonmodule bis zu Mikro- oder Mini-PV-Anlage oder einfach Stecker Solar. Da es sich bei diesen Geräten aber nicht um eine aufwändige Anlage handelt, nutzen wir den Begriff „Stecker-Solargeräte“.

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